Revox B285 mittels eines Raspberry PI an die digitale Welt anschliessen

Ich wollte die Unmengen an CD’s via eines Servers an das Revox anschliessen und dabei bequem mit einem Android Tablet die ganze Sammlung bedienen. Ziel war es, weder Unsummen zu investieren, viel Strom zu verbrauchen und eine grosse laute Kiste im Wohnzimmer zu haben. Da bin ich auf den kreditkartengrossen Raspberry gestossen, der genau diese Anforderungen erfüllen kann. Der Stromverbrauch liegt bei ca. 3 – 5 Watt, was die Stromrechnung nicht gross beeinflusst. 🙂

Der Miniaturrechner ist mit einem 700Mhz ARM Prozessor und 512MB RAM bestückt. (Variante B Rev.2). Außerdem ist er mit Ethernet und USB Schnittstellen sowie einen SD-Kartenslot (für das Betriebssystem) ausgerüstet.

Raspberry

Als Betriebssystem verwende ich ein spezielles Linux Derivat, das bereits auf den ARM Prozessor abgestimmt ist.

Als Audiophiler kommt hier vor allem das „Volumio“ in Frage, da es auf höchstwertige Musikwiedergabe getrimmt ist. Es unterstützt eine Vielzahl von USB DACs und erlaubt die bitperfekte Wiedergabe von 24bit Audio bis zu 192kHz.

Dank WiFI kann der Raspberry beim Revox stehen und wird mit Tablet oder Smartphone bedient und greift via Netzwerk auf die Festplatte resp. Heimserver (NAS) zu.

Umfangreiche Dokumentationen sind mittlerweile im Supportforum von Raspyfi zu finden und ich beschränke mich hier auf die wesentlichen Schritte, um den Raspi in Betrieb zu nehmen.

Benötigte Hardware:

Nebst einem bestehenden PC mit SD-Card Reader, Netzwerkkabel, Wlan-Router und Heimserver (NAS) sind zu beschaffen:

Raspberry Pi B, Rev.2, 512 RAM
Steckernetzteil 5.25V 1.5A (Speziell für den Pi entwickelt)
8 GB SDHC Speicherkarte, Class 10 (Kingston, SanDisk,Transcend)
Miniature WiFi (802.11b/g/n) Modul für Raspberry Pi
Gehäuse nach Wahl: schwarz, weiss oder transparent

Lieferbar z.B. Pi-Shop, Amazon, RS-Components Preis ca. 80 EU

Audiophile Komponenten:

USB DAC: Dragonfly2 (Audioquest, Version 2)
Audioquest Evergreen Audiokabel | Länge: 1m / Stecker: 3,5mm Klinke auf Cinch

Lieferbar: Um Fälschungen zu vermeiden ist ein zertifizierter Audioquest Händler zu empfehlen z.B. Blank GmbH & Co. KG, Preis ca. 185 EU

Software:

Ich beschreibe hier die Installation mit einem Linuxrechner im Terminal (Konsole):
Laden Sie sich die neueste Version von Volumio runter und entpacken Sie das zip File.
Bei Betriebssystemen die auf Linux aufbauen kann man die gesamte Arbeit auf der Kommandozeile oder eben im Terminal erledigen. Wir stecken also die Speicherkarte in den Computer oder Laptop und geben:

fdisk -l

Die SDHC Karte wird beispielsweise mit sdb1 angegeben, was darauf hinweist das wir die SDHC Karte mit sdb ansprechen.
Nun wechseln wir ins Directory wo sich unser entpacktes raspyfi image befindet z.B.:

cd /home/user/download

Mit dem Befehl:

dd bs=4M if=Volumio1.55PI.img of=/dev/sdb

kopieren wir das Image auf die SDHC Karte. Dies geht ca. 2 Min..
Stecken Sie die Karte in Ihren Raspberry, verbinden Sie mit dem Netzwerkkabel und starten Sie den Raspi.
Finden Sie in Ihrem Router die IP Adresse heraus und gehen per SSH auf Ihren Raspi z.B. ssh root@192.168.178.200 antworten Sie mit

yes und password volumio

Jetzt sind Sie auf der Konsole vom Raspi und werden hier noch einige Aenderungen vornehmen:
Zuerst aktivieren wir das WiFi, indem wir die Datei folgendermassen anpassen z.B:

nano /etc/network/interfaces
#auto eth0
 #iface eth0 inet static
 #address 192.168.178.200
 #netmask 255.255.255.0
 #gateway 192.168.178.1
allow-hotplug wlan0
 auto wlan0
 iface wlan0 inet static
 address 192.168.178.201
 netmask 255.255.255.0
 gateway 192.168.178.1
 wpa-ssid …
 wpa-psk …
(wpa-ssid „ssid Namen“   wpa-psk „wlan code“)

Wir starten den Raspi neu und prüfen, ob Wlan funktioniert ohne Ethernetkabel, dazu geben wir den Befehl ein: reboot

Falls Verbindung mit WiFi klappt geht’s weiter, ansonsten mit Ethernetkabel nochmals überprüfen, wo der Fehler liegt. Evtl muss SD Karte neu kopiert werden 😦 ! Mit ssh root@volumio sind wir mit WiFi wieder im Raspi und können noch die weiteren Befehle eingeben!

Ein erster Test kann nun erfolgen im Webbrowser oder Tablet: http://volumio mit einem eingesteckten Kopfhörer an der blauen Buchse oder schon mit einem Klinken/Cinch Kabel am Revox (Tape Eingang verwenden).
Gehen Sie rechts oben auf Settings und wählen Sie > Database > UPDATE MPD DATABASE. Wählen Sie WEBRADIO und probieren einer der Streaming Sender aus mit Doppelklick. Hören Sie Musik ist der erste Schritt gelungen.

Nun wollen wir noch die Streamradios organisieren dazu gehen wir in die Playliste:

cd /var/lib/mpd/musik/WEBRADIO/ 

Erstellen die entsprechenden Ordner:

mkdir Rock Jazz Blues Classic Pop Random\ Radio 

und verschieben die einzelnen Sender in die entsprechenden Ordner:

mv *Blues*.pls Blues
 mv *Pop*.pls Pop
 mv *Jazz*.pls Jazz
 mv *Rock*.pls Rock
 mv *Radio*.pls Random\ Radio
 mv *Classical*.pls Classic
 

Dann wieder im Volumio> Settings > Database > UPDATE MPD DATABASE; nun sollten die meisten Sender wohl organisiert in den einzelnen Ordner sichtbar sein!

Wählen Sie im Webradio eine Kategorie aus z.B. Blues und mit der Maus einen Streaming Sender > rechts wählen Add and Play und nun sollte auf Ihrem Raspi Ausgang Musik spielen entweder über Kopfhörer oder schon über Ihre angeschlossene Audioanlage. Die Qualität ist natürlich noch spärlich, weshalb wir nun den USB – DAC Dragonfly2 einstecken und den Raspi neu booten. Im Terminal from Raspi wählen wir den „Alsamixer“ und ändern mit „F6“ die Soundcard AudioQuest DragonFly und setzen die Lautstärke PCM auf 100%. Den Cinchstecker wechseln zum DragonFly und jetzt ist der Sound perfekt auf dem Revox!

In den Settings vom Volumio habe ich unter mpd „Volume normalisation auf „yes“ und Mixer Type auf „Hardware“ gesetzt.

Nun möchte ich noch, dass Volumio automatisch startet, wenn der Raspy eingeschaltet wird. Dazu erstelle ich die Datei in  /etc/init.d/

nano mpd-autoplay:

#!/bin/sh

### BEGIN INIT INFO
# Provides: mpd-autoplay
# Required-Start: mpd
# Required-Stop:
# Should-Start:
# Should-Stop:
# Default-Start: 2 3 4 5
# Default-Stop: 0 1 6
# Short-Description: Ensures that mpd plays on startup
# Description: Starts after mpd, and uses the mpc client to tell mpd to play
### END INIT INFO
#
# Requires mpd and mpc
#
# To install, use ‚insserv mpd-autoplay‘

. /lib/lsb/init-functions

case „$1“ in
start)
mpc play
;;
stop|restart)
;;
status)
echo „Nothing to see here, move along…“
;;
*)
echo „Usage: $0 start|stop|restart|status“
exit 2
;;
esac

chmod 755 /etc/init.d/mpd-autoplay
insserv mpd-autoplay || echo „Oops – failed to install“

Test ohne die Box neu zu starten:

  • MPD soll mit einem Song aus der Playlist laufen
  • Playbackpause in MPD drücken, via den Client (Nexus oder PC)
  • Folgenden Befehl als Root ausführen:

service mpd-autoplay start

Diesen Befehl bauen wir in eine Start datei ein: start.sh

#!/bin/bash

cd /home/pi

sleep 10

cd /etc/init.d/

service mpd-autoplay start

und in der /etc/rc.local zusätzlich die Zeile:

/bin/sleep 10 && /home/pi/./start.sh

MPD sollte wieder Musik spielen! Teste mit Reboot, ob Player automatisch startet!


Nun gehts an die Arbeit alle CD’s mit der Software „Asunder“  im Flac Format auf einem Server zu speichern und in Zukunft sortiert nach Kategorie, Album, Interpret etc auf dem Revox via Raspi zu geniessen.

NAS verbinden Settings z.B.: Sourcename: LACIE; IP Adresse //192.168.178.225 ; Directory wo Musik ist: Daten/flac; Ihr username auf dem NAS und deren Passwort; Speichern und  Database updaten, ja nach Grösse geht das eine Weile!

Auf meinem Nexus 7 Tablet steuere ich via Wlan den Raspi an und habe all den Comfort den teure Air Port Systeme nicht besser bieten können! (Bilder bewusst unscharf eingestellt!)

raspify raspify2

Viel Spass mit diesem Projekt!

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3 Gedanken zu „Revox B285 mittels eines Raspberry PI an die digitale Welt anschliessen

  1. Pingback: Verstärker mittels eines Raspberry PI an die digitale Welt anschliessen | ciuga

    1. schaich Autor

      Mittlerweile gibt es einen neuen DAC von Audioquest: Dragonfly2 für rund 150 EUR. Habe noch keine Erfahrung wegen der Treiber im Linux mit dem neuen Produkt wird aber in Kürze in meinem Blog bearbeitet. Gruss und danke fürs Interesse!

      Antwort

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